Verhinderungspflege als Ersatzpflege in der Pflegeversicherung

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Will sich eine pflegende Person eine "Auszeit" nehmen, hat sie Anspruch auf Verhinderungspflege

Der Begriff „Verhinderungspflege“ bezeichnet eine Leistung der Pflegeversicherung. Die offizielle Bezeichnung hierfür lautet „Häusliche Pflege bei Verhinderung der Pflegeperson“.

Der Ausgestaltung der Verhinderungspflege sind kaum Grenzen gesetzt: Sowohl ein ambulanter Pflegedienst als auch Privatpersonen können in der Zeit engagiert werden. Die Verhinderungspflege ist durch § 39 Sozialgesetzbuch XI geregelt. Darin heißt es, dass eine Person, die sich seit mindestens sechs Monaten in der häuslichen Pflege befindet, durch einen Angehörigen gepflegt wird und dafür Pflegegeld aus der Pflegeversicherung erhält, Anspruch auf einen Pflegeersatz hat, wenn es zur Verhinderung der Pflegeperson kommt. Dies kann aufgrund von Krankheit, aber auch zum Zweck der Erholung (beispielsweise Urlaub, Freizeitgestaltung) geschehen.

Stundenweise Abrechnung der Verhinderungspflege

Ein Anspruch auf Leistungen bestehen für maximal 28 Tage pro Kalenderjahr. Dabei kann es auch zu einer stundenweisen Abrechnung kommen, im Gegensatz zu dem Verfahren der Kurzzeitpflege. So wird zum Beispiel für einen zweistündigen Kinobesuch der Pflegeperson kein gesamter Tag angerechnet. Für die Ersatzleistungen können insgesamt 1.550,00 Euro jährlich in Anspruch genommen werden.

Ist der jährliche Maximalbetrag allerdings verbraucht, ohne dass die zustehenden 28 Tage vollständig ausgeschöpft wurden, besteht kein Anspruch auf weitere Zahlungen. Es ist nicht entscheidend, ob die Ersatzpflege durch einen Pflegedienst oder eine private Pflegeperson erfolgt. Ebenso spielt die Pflegestufe dabei keine Rolle. Werden die Leistungen beansprucht, entfällt das Pflegegeld für diesen Zeitraum.

Am 1.1.2015 tritt das erste Pflegestärkungsgesetz in Kraft. Durch die Steigerung des Beitrages kann auch die Verhinderungspflege verbessert werden. So gibt es ab 2015 1.612 Euro für Kosten einer notwendigen Ersatzpflege von bis zu 6 Wochen.

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Das Pflegegeld wird weitergezahlt

Mit dem Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz gibt es auch Änderungen bei der Verhinderungspflege. So kann seit dem 01. Januar 2013 das Pflegegeld während einer Verhinderungspflege bis zu vier Wochen jährlich zur Hälfte weiter ausgezahlt werden. Eine weitere Änderung betrifft vor allem Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, also Demenzkranke, die nur in der sogenannten Pflegestufe 0 sind, denn sie haben nun auch einen Anspruch auf bis zu vier Wochen Verhinderungspflege im Jahr. Diese Regelungen gelten auch bei der stundenweisen Inanspruchnahme der Verhinderungspflege.

Ambulanter Pflegedienst und Privatpersonen

Häufig wird in der Zeit der Verhinderung ein professioneller Pflegedienst engagiert, aber auch private Pflegepersonen sind dabei zulässig. Eine Ausnahme bilden Personen, die mit der pflegebedürftigen Person bis zum zweiten Grad verwandt oder verschwägert sind oder einen Haushalt mit dem Pflegebedürftigen teilen. In dem Fall beschränken sich die Zahlungen auf das übliche Pflegegeld. Darüber hinaus können aber belegte Kosten, wie Fahrtgeld oder Verdienstausfälle bis zu einem Wert von 1.470,00 Euro jährlich beansprucht werden. Im Gegensatz zur Kurzzeitpflege können für die Ersatzpflege auch Einrichtungen genutzt werden, die nicht als offizieller Pflegedienst behandelt werden – so zum Beispiel wohltätige Organisationen.

Unterschiedliche Gestaltung der Ersatzpflege

Im Grunde stellen die Leistungen der Verhinderungspflege die Absicherung einer pflegebedürftigen Person im Verhinderungsfall der Pflegeperson dar. In diesem Zusammenhang gibt es vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten. So kann ein Urlaub der Pflegeperson und die daraus entstehenden Leistungen aus der Verhinderungspflege auch als Urlaub der pflegebedürftigen Person genutzt werden. Hierfür gibt es spezielle Einrichtungen, die sich auf die Pflege und gleichzeitigen Erholung spezialisiert haben. Einen Streitpunkt bildet die Frage, ob die Freizeit der pflegebedürftigen Person ebenfalls durch Leistungen der Verhinderungspflege bezuschusst wird. Im Einzelfall können die jeweiligen Pflegekassen Auskünfte erteilen. 

Letzte Aktualisierung: 28.07.2014 - Antonia Hermann

Gesetzliche Richtlinie - § 39 SGB XI

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