Pflegegeld und Sachleistungen: Leistung der Pflegeversicherung

Pflege-Leistungen

Tritt ein Pflegefall in der Familie ein, stellt sich für die Beteiligten die Frage der Pflegemöglichkeiten. Allgemein wird zwischen vollstationärer, teilstationärer, häuslicher und Kurzzeitpflege unterschieden, wobei eine Kombination der Varianten möglich ist. Dabei spielt die anerkannte Pflegebedürftigkeit eine große Rolle.

Die Pflegeversicherung gewährt den Versicherten nach Feststellung der Pflegestufe durch ein Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) entweder Geld- oder Sachleistungen. Möglich ist auch eine Kombination aus den beiden Leistungen.

Achtung Pflegelücke!

Sämtliche unten aufgeführten Leistungen decken die tatsächlichen Pflegekosten nur zum Teil. Um die Lücke zu schließen, benötigen Sie eine zusätzliche private Pflegeversicherung.

Pflegegeld bei Pflege durch einen Laien

Das Pflegegeld wird im Falle einer häuslichen Betreuung durch Laien an den Versicherten ausgezahlt. Dies kann z. B. ein Angehöriger sein, der Pflegezeit in Anspruch nimmt. Es muss sich bei den privat pflegenden Personen also nicht zwingend um Angehörige des Pflegebedürftigen handeln. Der Versicherte kann dann entscheiden, ob er die Summe als Anerkennung an die Pflegeperson weitergibt oder die Versorgung des Haushalts finanziert werden sollen.

Die Pflegestärkungsgesetze 2015

Auch zum 1.1.2015 gab es wieder Änderungen in der deutschen Pflegeversicherung. So hat das Kabinett am 28.05.2014 das Pflegestärkungsgesetz beschlossen. Mit Jahresbeginn trat der erste Teil in Kraft, ein zweiter Teil mit der Änderung des Pflegebedürftigkeitsbegriffes und den fünf neuen Pflegegraden ist noch in Arbeit und wird später folgen.

Unterschiedliche Leistungen der Pflegekasse bei häuslicher Pflege

Bei der häuslichen Pflege durch einen Laien hat der Gesetzgeber folgendes Pflegegeld festgelegt:

Pflegestufe Pflegegeld 2014 Pflegegeld 2015
„0“/ eingeschränkte Alltagskompetenz 120 € / Monat 123 € / Monat
I 235 € / Monat 244 € / Monat
I + eingeschränkte Alltagskompetenz 305 € / Monat 316 € / Monat
II 440 € / Monat 458 € / Monat
II + eingeschränkte Alltagskompetenz 525 € / Monat 545 € / Monat
III * 700 € / Monat 728 € / Monat

* keine Unterscheidung bei eingeschränkter Alltagskompetenz oder im Härtefall

Sachleistungen zur Finanzierung eines ambulanten Pflegedienstes

Nicht in jedem Fall kann die Pflege durch einen Angehörigen oder einen anderen Laien organisiert werden. Nicht notwendigerweise ist dann die Unterbringung in einem Pflegeheim notwendig. Die häusliche Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst kann über die Sachleistungen finanziert werden.

Pflegestufe Pflegesachleistungen 2014 seit 1.1.2015
„0“/ eingeschränkte Alltagskompetenz 225 € / Monat 231 € / Monat
I 450 € / Monat 468 € / Monat
I + eingeschränkte Alltagskompetenz 665 € / Monat 689 € / Monat
II 1.100 € / Monat 1.144 € / Monat
II + eingeschränkte Alltagskompetenz 1.250 € / Monat 1.298 € / Monat
III ** 1.550 € / Monat 1.612 € / Monat
III + Härtefall ** 1.918 € / Monat 1.995 € / Monat

** keine Unterscheidung bei eingeschränkter Alltagskompetenz

Kombination aus Pflegegeld und Sachleistungen

Sachleistungen und Pflegegeld können in vielen Fällen kombiniert werden, beispielsweise wenn eine Pflegekraft nur stundenweise benötigt wird und ein Großteil der Pflege von den Angehörigen übernommen wird. In diesem Fall wird der Pflegedienst direkt von der Pflegeversicherung bezahlt und ein prozentualer Betrag als Pflegegeld zur eigenverantwortlichen Verwendung an den Versicherten überwiesen. Es können jedoch nicht Pflegegeld und Sachleistungen gleichzeitig in voller Höhe bezogen werden. Dazu ein Beispiel:

Zur Unterstützung am Morgen kommt zu einem Pflegebedürftigen der Pflegestufe III ein Pflegedienst nach Hause. Dieser kostet im Monat 322,40 Euro. Dies entspricht 20 Prozent des Sachleistungssatzes von 1.612 Euro in dieser Pflegestufe. Da weiterhin keine Sachleistungen in Anspruch genommen werden, kann der Pflegebedürftige nun noch 80 Prozent des Pflegegeldsatzes von 728 Euro im Monat erhalten. Er bekommt also noch 582,40 Euro jeden Monat von der Pflegekasse ausgezahlt.

Stationäre Pflege als letzter Ausweg

In schweren Pflegefällen oder wenn keine Pflegeperson zur Verfügung steht, bleibt eine stationäre Pflege häufig als letzter Ausweg. Auch hier hat der Gesetzgeber Sachleistungen formuliert, die in Abhängigkeit von der Pflegestufe zur Finanzierung von Pflegeheimen herangezogen werden.

Pflegestufe 2014 Sachleistungen bei stationärer Pflege seit 1.1.2015
I 1.023 € / Monat 1.064 € / Monat
II 1.279 € / Monat 1.330 € / Monat
III 1.550 € / Monat 1.612 € / Monat
III + Härtefall 1.918 € / Monat 1.995 € / Monat

Pflege durch Angehörige bevorzugt

Laut der Pflegestatistik 2013 wurden mehr als zwei Drittel (71 Prozent bzw. 1,86 Millionen) der Pflegebedürftigen in Deutschland zu Hause versorgt. Davon erhielten etwas mehr als 1,25 Millionen Pflegebedürftige ausschließlich Pflegegeld. Das bedeutet, sie wurden in der Regel zu Hause durch Angehörige gepflegt. Weitere 616.000 Pflegebedürftige lebten ebenfalls in Privathaushalten. Bei ihnen erfolgte die Pflege jedoch zum Teil oder vollständig durch ambulante Pflegedienste. Etwas weniger als ein Drittel, also rund 764.000 Personen wurden in Pflegeheimen betreut.

Zur Überprüfung der Qualität häuslicher Pflege lassen die Pflegekassen halbjährig bzw. vierteljährlich (bei Pflegestufe III) Beratungseinsätze durch professionelle Pflegedienste durchführen. Die dienen dazu, die Pflegesituation vor Ort zu prüfen, ob der Pflegebedürftige gut versorgt ist, ob die anerkannte Pflegestufe noch aktuell ist, ob Hilfsmittel fehlen und ob weitere Pflegemaßnahmen angeraten sind.

Pflegedienst

Wenn das Pflegegeld nicht reicht

Das gesetzliche Pflegegeld reicht in vielen Fällen nicht aus, um die anfallenden Pflegekosten zu decken. Deshalb empfiehlt sich, spätestens ab dem 35. Lebensjahr, über eine zusätzliche Pflegeversicherung nachzudenken und somit privat vorzusorgen.

Wer familiär vorbelastet ist in bestimmten schweren Krankheiten, z.B. weil ein naher Verwandter Krebs hatte, bietet sich außerdem eine spezielle Versicherung dafür an, die bei Eintritt dieser Krankheit eine große Versicherungssumme auszahlt. Sogenannte „Dread Disease“-Versicherungen sind schon für relativ wenig Geld zu haben.